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Psychomotorik: Mit spielerischen Bewegungen gegen Bewegungsmangel

Psychomotorik: Mit spielerischen Bewegungen gegen Bewegungsmangel

Psychomotorik beschreibt eine Form der körpereigenen Wahrnehmung von Bewegungen. Dabei geht es sowohl um spielerisches, wie natürlich auch therapeutisches Bewegen, das aber eben in der Psychomotorik besonders auch in Kombination mit der individuellen Wahrnehmung einhergeht. Somit ist die Psychomotorik eines der effektivsten Mittel und eine der naheliegendsten Therapien zur Verknüpfung von Bewegung und Psyche, diese miteinander zu verbinden und so letztlich das Gefühl für die körpereigenen Bewegungen (zurück) zu erlangen.

Was ist Psychomotorik?

kinder bewegung
© anatols - istockphotos.com

Geist und Seele verbunden mit Körper und Bewegungsapparat – das ist Psychomotorik. Dies ist eine eigentlich natürliche Verbindung, die aber nicht (mehr) bei jedem Menschen besteht. Die Folge können Probleme in zentralen Bereichen wie Motorik, Kognition oder auch Sensorik sein. Lösungen dieser Probleme können sportliche und spielerische Bewegungsübungen sein, die helfen, Geist und Bewegungsapparat in besonderen Einklang zu bringen.

Psychomotorik für Kinder

Insbesondere Kinder und Jugendliche stehen im Fokus der Psychomotorik. Sie sind es, die der Lehre nach unter der Bewegungsknappheit der modernen Zeit leiden, indem sie kaum noch in und zu Bewegung bekommen. Somit geht die psychische Verbindung zur Bewegung immer mehr verloren, was wiederum viele Bereiche des Körpers und des Denkens beeinträchtigt. Die Psychomotorik will hier früh und rechtzeitig eingreifen und konzentriert sich daher besonders auf Kinder im Schul- und sogar Kindergartenalter.

Psychomotorik im Kindergarten

Denn schon in solch frühem Alter können eventuell bestehende Mängel in der Verbindung von Geist und Motorik erkannt und ganz frühzeitig therapiert werden. Therapiert, das klingt zwar nach Arztbesuch oder Termin beim Physiotherapeuten, bedeutet aber gerade im Zuge der Psychomotorik mit Kindern ein spielerisches und unterhaltsames Erleben von Bewegung in Kindergruppen.

Wer bietet Psychomotorik an?

Das Ganze wird von extra dafür geschulten Fachleuten angeboten, die wissen, worum es bei der Psychomotorik geht und wie man dies auch mit Kindern durchführen sollte. Zu diesen Fachkreisen zählen ebenso Physiotherapeuten, wie auch Heilpädagogen, Motopäden oder vielleicht auch die Erzieherinnen selbst. Sie lehren die Kinder in kleinen Gruppen psychomotorische Grundlagen und stärken so gleichzeitig auch noch ihre soziale Kompetenz.

Welche Kinder brauchen Psychomotorik?

Wie gesagt ist Psychomotorik ein interessantes Feld in der heutigen Gesellschaft, wo es häufig Bewegungsmangel gibt. Die typischen Straßenkinder, die den ganzen Tag draußen gespielt haben, gibt es nicht mehr in so großer Anzahl. Dafür sitzen die Kinder viel vor dem Fernseher, spielen am Computer, werden mit dem Auto überall hingebracht, kurz: ihre motorischen Fähigkeiten werden kaum noch gefordert und somit auch nicht gefördert. Hier setzt Psychomotorik an.

Psychomotorik bei Bewegungsauffälligkeiten

Manche Kinder entwickeln in ihrem alltäglichen Umfeld Bewegungsauffälligkeiten oder gar Auffälligkeiten im Verhalten. Der Körper braucht und will Motorik und Bewegung. Bekommt er sie nicht, kann sich das in Frust, Hyperaktivität oder auch Zornesausbrüchen äußern. Woran erkennen Sie, ob Ihr Kind Bedarf an Psychomotorik hat? Wir zählen einige alarmierende Symptome auf:

  • Ist Ihr Kind verhaltensauffällig?
  • Hat Ihr Kind Lernschwierigkeiten?
  • Hat Ihr Kind Angst, ist gehemmt oder hat ein geringes Selbstbewusstsein?
  • Hat Ihr Kind Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren?
  • Stößt sich Ihr Kind oft, stolpert es oder ist ungeschickt?
  • Hat Ihr Kind Wahrnehmungsstörungen?

Ziele der Psychomotorik

Wenn Sie mehrere dieser Fragen Ihr Kind betreffend (gilt jedoch auch für Erwachsene) mit ja beantworten können, könnte die Psychomotorik die richtige Therapie sein. Wie gesagt: Denken Sie daran, dass der Begriff Therapie im Zusammenhang Psychomotorik – vor allem bei Kindern – nichts mit sterilen Arztpraxen oder beeinträchtigenden Medikamenten zu tun hat. Die Ziele der Psychomotorik werden mit spielerischen Aktivitäten verfolgt:

Ich- und Sachkompetenz

Primärziele sind hierbei die verbesserte Ich-Kompetenz und die verbesserte Sachkompetenz: Die Psychomotorik lehrt somit den gezielten, verbesserten Umgang mit dem eigenen Körper, in psychologischen Fachkreisen als Ich-Kompetenz bezeichnet. Wer bin ich? Was kann ich? Und wie gut ist das für mich? Dort hinein spielt die verbesserte Sachkompetenz, die den Umgang mit bestimmten Gegenständen und Materialien vermittelt. Was kann man womit machen? Wie verhalten sich die Gegenstände und wie viel Spaß kann das auch machen?

Verbesserte Sozialkompetenz

Fast schon ganz nebenbei, aber auch eines der absolut gewollten Ziele der Psychomotorik ist eine zusätzlich verbesserte Sozialkompetenz. Da die Psychomotorik meist in kleinen Gruppen vermittelt wird – nicht nur in Kindergärten, sondern auch bei Erwachsenengruppen – stellt sich während der meist heiteren und abwechslungsreichen Übungen fast ganz automatisch auch eine gesunde soziale Atmosphäre ein. Das ist deswegen gewollt, weil viele Menschen vor der Erfahrung Psychomotorik auch Probleme mit sozialen Kontakten haben können.

Ergebnis der Psychomotorik

Durch die neu vermittelten und verbesserten Kernkompetenzen in den Bereichen Ich, Sachen und Soziales erlangen Kinder und auch Erwachsene durch die Psychomotorik verbesserte Fähigkeiten im Umgang mit sich, ihrer Umwelt und all dem, was sich darin befindet. Fein- und Grobmotorik, Bewegung und Kreativität werden verbessert sowie auch das Sozialverhalten und somit letztlich Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein.



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