Manuelle Therapie

Bei Bewegungsstörungen, Schmerzen oder mangelnden Funktionen des Bewegungsapparates wird von einem Physiotherapeuten manuelle Therapie angewendet. Der Therapieansatz umfasst die Untersuchung und Behandlung der Gelenkmechanik, der Muskelfunktionen sowie der Bewegungskoordination und hält für jeden Patienten einen individuellen Lösungsansatz bereit. Unser 11880.com-Physio-Ratgeber beschreibt die Anwendung, Verfahren und Wirkungsweisen manueller Therapie. 

Was ist manuelle Therapie?

manuelle therapie
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Der Begriff manuell ist ins Deutsche übersetzt als händisch, bzw. mit der Hand zu verstehen. Der Physiotherapeut legt also bei Ihren Beschwerden direkt Hand an und bedient sich dabei gleichermaßen passiver wie auch aktiver Techniken um blockierte oder eingeschränkte Gelenke zu remobilisieren, bzw. instabilen Gelenken wieder zu neuer Stabilität zu verhelfen. Als Ergebnis zielt die manuelle Therapie darauf ab, das natürliche und somit perfekte Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Nerven wiederherzustellen.

Wann manuelle Therapie?

Damit seien die ganz wesentlichen und grundlegenden Ziele manueller Therapie genannt. Einen Grund für die manuelle Therapie – die auch Manualtherapie, manuelle Medizin oder Chiropraktik genannt wird – haben Sie vor allem dann, wenn Sie Schmerzen in den genannten Körperregionen verspüren, funktionelle motorische Beschwerden haben oder generell unter Bewegungseinschränkungen leiden. Schmerzen und motorische Einschränkungen sind die Indikationen für manuelle Therapie, vor allem aber die Wiederinstandsetzung generell intakter aber gestörter Körperbereiche.

Voraussetzungen für manuelle Therapie

Das Wörtchen intakt ist hierbei ganz wichtig, denn manuelle Therapie wird nur unter bestimmten Bedingungen ausgewählt und vom Physiotherapeuten ausgeführt. So dürfen die zu behandelnden Körperbereiche zwar eingeschränkt, müssen aber noch generell intakt sein. Zudem muss durch bildgebende Methoden sichergestellt sein, dass keine Beschädigungen der Wirbelsäule, Metastasen oder Läsionen vorliegen. Dies schließt der Physiotherapeut im Zuge der Diagnose vorab aus.

So verläuft die manuelle Therapie

Zusätzlich dazu verläuft die Diagnostik bei der manuellen Therapie in Form eines Abtastens von Wirbelsäule und Gelenken. Diese werden auf ihre Beweglichkeit hin überprüft und auch die Reflexe werden in einer frühen Phase der manuellen Therapie getestet. Als Indizien für Muskelverspannungen zeigen sich dem Physiotherapeuten dabei schon oft Blockaden. Diese werden im Zuge der manuellen Therapie zur Schmerzlinderung aufgehoben.

Techniken der manuellen Therapie – ein Beispiel

Gleichzeitig kann die manuelle Therapie auch den Stoffwechsel im Gewebe anregen, was die Beweglichkeit verbessert und die Druckbelastung reduziert. Um diese verschiedenen Behandlungserfolge der manuellen Therapie zu erreichen, kennt die Methode mehrere Techniken:

  • Weichteiltechnik: langsame, behutsame Dehnungsbewegungen mit mehrmaliger Wiederholung, Friktionen und Massagen von Muskeln, Knochensehnenübergängen und Sehnen.
  • Mobilisation (vor allem in den Extremitäten):
  • Passive Techniken:
    • Traktion: Dehnung und Schrumpfung des Kapsel-Band-Apparats, Dehnung bei verkürzten Muskeln und somit Entlastung von Gelenkflächen
    • Gleitmobilisation: Verschiebung der Gelenkflächen gegeneinander für eine Wiederherstellung der Gelenkfunktion, Dehnung des Kapsel-Band-Apparats und verkürzter Muskeln
  • Aktive Techniken:
    • Muskelenergietechniken / Postisometrische-Relaxation (PIR): Bewegungsgewinn des Gelenks durch systematische Anspannung und Entspannung
    • Atemtherapie: Unterstützung von Mobilisation und Manipulation durch atemsynchrone Muskelspannung.
  •  Manipulation:
    • Behebung von Blockierungen durch einen punktuellen, zielgeführten sowie auch schnell und kräftig ausgeführten Bewegungsreiz. Vor allem in der Wirbelsäule finden diese Manipulationen bei Blockierungen häufig Anwendung.

Kombination mit anderen Therapiemethoden

Manuelle Therapie ist nur in den seltensten Fällen eine Monotherapie, findet also in der Regel als begleitende, unterstützende Therapie zu anderen Anwendungen statt. Sie ist damit nur ein Baustein eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes, das durch andere physiotherapeutische Maßnahmen oder physikalische Therapie ergänzt werden kann und das Ihr Physiotherapeut je nach individuellem Behandlungsbedarf aufstellen wird. In Kombination mit einem konsequenten und nachhaltigen Funktionstraining Ihrer betroffenen Körperregionen hat sich manuelle Therapie gleichzeitig als besonders wirksam erwiesen.

Weitere Therapierichtungen

Die Wirksamkeit der manuellen Therapie kann sich je nach Beschwerden, Indikation aber auch Ausprägung des jeweiligen Therapieansatzes unterscheiden. Denn nicht alle Richtungen der manuellen Therapie wenden die oben beschriebenen Techniken genau so an:

  • Die Chiropraktik wendet sich vor allem der Wirbelsäule zu und behandelt diese mittels Entspannungs- und Dehnübungen
  • Die Osteopathie setzt auf spezielle Griff- und Lockerungstechniken, die Einschränkungen im Bewegungsapparat entgegenwirken, aber auch Verdauungsprobleme oder gar Menstruationsprobleme beheben können sollen.
  • Orthopädische manuelle Therapie (OMT): Manuelle Therapie und therapeutische Übungen. Achtung: Ein OMT-Therapeut muss in Deutschland eine entsprechende zertifizierte Zusatzausbildung besitzen, die über 600 Weiterbildungsstunden und mindestens 1000 Stunden manueller Therapie erfordert!
  • Rolfing: Die Ausrichtung der Körperstruktur und -Haltung an die Schwerkraft ist eine spezielle Methode der Faszienbehandlung.

Vorsicht

Bei dieser Manipulation am Körper gilt: Vorsicht. Unsachgemäße Anwendung kann bleibende Schäden verursachen. Dieser Beitrag dient dazu, Ihnen die Behandlungsmöglichkeit vorzustellen. Sie sollte ausschließlich von einem qualifizierten Physiotherapeuten durchgeführt werden. Versuchen Sie auf keinen Fall, die hier beschriebene Methode ohne die Supervision oder ausdrückliche fachliche Aufforderung eines Physiotherapeuten auszuführen.



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